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Ein sinnloses All-In im Turnier
by al

Ist es Euch in einem Pokerturnier schon einmal so ergangen, dass Ihr während der ersten Spielphase, durch Geschick und günstigen Kartenfall, Euren Stack zu respektabler Höhe habt anwachsen lassen? Doch plötzlich, als die Einsätze steigen, Ihr in einem Pot zu hoch veranlagt wart, Euch zu einer fragwürdigen Entscheidung verleiten lasst - und vorbei war's?

Glaubt mir, dabei handelt es sich um einen häufigen Fehler unter Spielern mit mittlerer Erfahrung. Zuerst seit Ihr Chipleader, dann fallt Ihr leicht zurück, habt aber trotzdem noch die besten Chancen. Ihr haltet ein gutes Blatt in Händen. Ein Gegner callt. Auch am Turn callt er. Gefahr zeigt sich an, doch Ihr wollt es nicht wahr haben. Ihr träumt davon, dass er einen Draw verpasst hat. Träumt von einem Bluff seinerseits. Träumt Euch ins eigene Ende!

Die folgenden Situationen ereigneten sich am gleichen Tag, in einem Turnier, dass der Analyse dienen sollte, um einen Spieler zu finden, der es verdient, in einem namhaften Team gesponsert zu werden. Alle gaben ihr bestes, spielten wirklich guten Poker, bis dass der Geduldfaden riss.

Beispiel 1)

Ein Pot zwischen zwei Spielern, die einander bestens kannten. Spieler 1 saß in der schwächeren Position. Sein Stack entsprach etwa der Hälfte dessen von Spieler 2.

Der Flop:

Spieler 1 setzte den halben Pot, Spieler 2 erhöhte und Spieler 1 ging mit.

Der Turn:

Beide checkten!!!

Der River:

Wieder checkte Spieler 1. Nun ging Spieler 2 All-in. Womit? 5 - 2? Das war kaum anzunehmen. Mit einem Drilling? Das hätte Sinn ergeben, war aber nicht der Fall. Wärt Ihr hier mit A - Q mitgegangen, von Eurem schwachen Stack die Hälfte bereits im Pot? Mit ziemlicher Sicherheit - und das tat auch Spieler 1. Er gewann gegen 7 - 7! Was für ein sinnloses All-in!

Beispiel 2)

Spieler 1 hatte unglaublich gut begonnen. Es dürften ihm einige passende Blätter zugefallen sein. Niemand wusste es genau, denn er machte so viel Druck, dass kaum eine Partie mit Showdown endete. Der Weg zum Pot führte fast immer über ihn.

Als sein Stack noch immer ansehnlich, doch nicht der beste am Tisch war, passierte folgendes gegen Spieler 2, den Chipleader:

Sein Blatt:

Das Board:

Spieler 1 Stack betrug etwa das Doppelte vom Pot. Er saß in der schwächeren Position. Es ist unverständlich, was in seinem Kopf vorging. Jedenfalls setzte er All-in und sein Gegner mit Q in der Hand war sich absolut sicher, dass die Partie in einem Split-Pot enden würde.

Gut, er glaubte nicht, mit einer Queen konfrontiert zu sein. Doch welches Blatt hätte hier callen können? Neben der Q sicher auch eine 7. Vielleicht auch K - K oder A - A. Vermutlich konzentrierte sich seine Hoffnung auf A hoch. Doch würde der Gegner, noch dazu als Chipleader, hier wirklich ein All-in mit A hoch riskieren? Kaum!

Beispiel 3)

Ein anderer aggressiver Spieler mit ansehnlichem Stack. Auch hier war Spieler 1 der Gegner.

Im Flop fiel:

Hier saß dieser Spieler, dem die Ungeduld das Genick brechen sollte, in der schwächeren Position. Er setzte das Doppelte des Pots und wurde gecallt.

Der Turn:

Auf seinen Einsatz folgte ein Raise. Und was war seine Antwort? All-in!!! Mit A - 9!

Was hatte er sich dabei wohl gedacht? Ein völlig ungerechtfertigter Call am Flop? Ein Bluff am Turn? Jedenfalls hatte Spieler 1 J - 4 vorzuweisen - und seine Position am Turniertisch hatte sich, natürlich fiel kein Ass am River, somit weiter verbessert.

In späteren Gesprächen stellte sich heraus, dass all den genannten Spielern der Fehler sofort bewusst war, als das All-in ausgesprochen war. Doch da war es zu spät! Fürs nächste Turnier sollten sie sich wohl folgenden Merksatz einprägen:

Bring niemals einen Einsatz, wenn das einzige Blatt, das mitgehen könnte, jenes ist, dass dich schlägt!

Falls jemand darüber nachdenken sollte, dass die All-ins schließlich als Bluff hätten gemeint sein können, möchte ich daran erinnern, dass Bluffs sinnlos sind, wenn das eigene Blatt über gewisses Gewinnpotential verfügt. In den beschriebenen Beispielen gab es jedenfalls nicht den geringsten Anlass, mit einem Bluff zu operieren. Ohne passendem Blatt in der Hand des Gegners, wäre der Pot ohnehin gewonnen gewesen. Mit passendem Blatt - Ihr habt es gerade gelesen, was passiert ist!