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Auch das beste Paar ist schlagbar
by al

Jeder Pokerspieler, insbesondere in No-Limit, sollte sich den folgenden Satz zutiefst einprägen:

Don't go broke with one pair! (Geh' nicht mit einem Paar pleite!)

Das höchste Paar mit Ass als Kicker ist ein starkes Blatt. Ein Paar Asse oder Könige als Holecards, und die höchste Karte im Board ist eine Dame, ist noch besser. Doch, und das solltet Ihr niemals vergessen: auch das beste Paar ist niemals das bestmögliche Blatt!

Zeigt Ihr durch Euren Einsatz Stärke und Euer Gegner schlägt zurück, vergesst nicht, dass es immer eine ganze Menge von Möglichkeiten gibt, die Euch zum Verlierer stempeln. Schlägt Euer Gegner nicht zurück, geht aber bei kräftigen Einsätzen am Flop und am Turn mit, dann bedenkt das gleiche. Es kann durchaus sein, dass er Euch in die Falle locken möchte, um am River Euren Stack zu attackieren.

Sicher gibt es keinen Pokerspieler, dem derartige Überraschungen jemals erspart geblieben wären, Profis eingeschlossen. Oft sind teure Pots, der Situation entsprechend, nicht zu vermeiden. Doch niemals solltet Ihr, siegessicher, den Pot anheizen, wenn Ihr nichts besseres als das bestmögliche Paar vor Euch liegen habt.

Es war ein wirklich gemütlicher Abend. Ein Freund von mir konnte uns, kostenlos, das Penthouse eines schicken Hotels zur Verfügung stellen, arrangierte sogar ein nettes Buffet, und einen guten Dealer findet man problemlos. Das Trinkgeld summiert sich für ihn im Laufe eines Abends. Auch wenn die Rake immer nur ein paar Dollar beträgt, viele Pokerspieler schätzen es, wenn diese nicht eingehoben wird, was die Beteiligung an solch gemütlichen Spielrunden erhöht.

Wir spielten Hold'em No-Limit, die Blinds $ 10/20. Zu acht saßen wir am Tisch. Ich, am Small Blind, hatte vor mir liegen. Alle, inklusive dem Button, passten.

Ich muss jetzt vorausschicken, dass ich, während der vorangegangenen Stunde, mehrere kleine Pots gestohlen hatte, insbesondere, wenn das Board für die Gegner gefährlich aussah. Mehrere Male schon hatte sich der Gegner, der nun am Big Blind saß, von mir aus dem Pot drängen lassen. Er lauerte auf seine Chance, zurückzuschlagen!

Q - 10 ist, selbst gegen einen einzigen Gegner, kein Blatt, das zu übertriebenem Optimismus einladen kann. Jedes Ass, jeder König, wird auch mit schwachem Kicker zum Favoriten. Ich erhöhte bloß auf $ 40, um ihm die Möglichkeit anzubieten, sich von seinem Blatt schmerzlos zu verabschieden.

Doch das tat er nicht! Er brachte ein Reraise auf $ 100.

Wollte er damit einfach sein Blind verteidigen, sich gegen meine wiederholten Attacken wehren? Dass er dies, ohne entsprechende Karten, versuchte, war nicht anzunehmen. Zu gut waren die Odds, die er mir dadurch legte. $ 140 lagen im Pot. $ 60 hatte ich nachzubringen. Zweifellos, betrachtete ich mich als Außenseiter. Die Karten, die ich in seiner Hand erwartete, waren: A – K, A – Q, A – J, vielleicht K – Q, suited, oder ein mittleres bis hohes Pocketpaar.

Genaugenommen, hätte ich, trotz der guten Odds, Anlass zum Passen gehabt. Was bewegt mich nun aber doch zum Call?

Natürlich spielte das Wahren des Tischimages eine gewisse Rolle. Er sollte sich keineswegs daran gewöhnen, mich durch ein Reraise verdrängen zu können. Außerdem, hatte er auch mehr als $ 2.000 vor sich in Chips aufgestapelt. Ich glaubte, in ihm die Bereitwilligkeit zu erkennen, diesen Stack gegen mich jederzeit zu investieren, um sich für die gestohlenen Pots zu revanchieren.

Der Flop ließ mein Herz, wie das jedes Pokerspielers, kräftig höher schlagen:

Nachdem er sich angetragen hatte, die Führung zu übernehmen, überließ ich sie ihm und checkte. Sein Einsatz: $ 150.

Jetzt öffnete sich für mich die Frage: Slowplay oder Raise? Zwei Pik lagen auf dem Tisch. Mit K – Q könnte er, im Falle einer Zehn, die höhere Straße kaufen. Ich saß in der schwächeren Position. Ein Einsatz am Turn, nach Cold Call am Flop, ist immer verdächtig. Somit erachtete ich es als besser, das Ruder zu schwenken und mit einem Raise zu antworten. Vielleicht hatte ich sogar Glück und er hielt J – J oder 9 – 9 in der Hand.

Ich erhöhte auf $ 300 und er ging mit!

In die zuvor gestohlenen Pots, hatte ich immer nur zwischen $ 100 und $ 200 investiert. Sollte ihm der Unterschied auffallen oder würde er glauben, dass ich meinen Bluff hier der Pothöhe anpasste? Die Zeit, die ich zum Überlegen brauchte, erweckte dabei gleichzeitig den Anschein, als würde ich kalkulieren, wie erfolgversprechend ein Bluff hier sein könnte.

Ich entschied mich für einen Einsatz von $ 600. Ohne lange zu Zögern, erhöhte mein Opponent, sein Name war übrigens Jacques, auf $ 1.200. Rund $ 700 hatte er noch vor sich liegen.

Um jetzt mit einem All-in zu antworten, gab es nicht viel zu überlegen. Ich erwartete einen Drilling in seiner Hand. Würde sich das Board am River paaren, war ein All-in von seiner Seite ohnehin nicht zu vermeiden. Bei dieser Pothöhe wäre, in diesem Fall, ein Call von mir unvermeidbar. Sollte er aber glauben, dass ich bluffte, und versuchte, mich mittels eines Semi-Bluffs aus dem Pot zu drängen, etwa mit zwei Pik oder einem Paar Zehnen (beidseitiger Straßeneingang – und vielleicht sogar, in seinen Augen, das beste Blatt), dann wären die Odds für die Kaufchance gut genug gewesen.

Nachdem er auch hier nicht lange zu überlegen brauchte, um das All-in zu callen, war ich nun noch überzeugter, dass er den Drilling gefloppt hatte. Aber, ich hatte mich getäuscht. Was er zu präsentieren hatte war nichts besseres als:

Er war geschlagen! Die 3, die am River folgte, war völlig unbedeutend.

Findet sich ein Fehler in Jacques Spielweise oder war es einfach einer dieser unvermeidlichen Bad Beats?

Don't go broke with one pair!

Sein Raise zu Anfang, gefolgt vom Call meiner Erhöhung am Flop, waren untrügliche Anzeichen, dass er über ein entsprechendes Blatt verfügte. Ich nehme an, er war überzeugt, dass ich einen Jack mit gutem Kicker in der Hand hielt. Aber, mit Jack, auch von einem Ass begleitet, hätte ich, auf Grund seiner unverkennbaren Stärke, vorsichtig gespielt. Hätte er meine Spielweise beobachtet, hätte er dies wissen müssen. Gegen einen Spieler zu bluffen, der sein Interesse am Pot bereits manifestiert hat, ist auch nicht mein Stil (und kein guter Pokerspieler würde dies jemals tun).

Mein Einsatz, von $ 600 am Turn, hätte ihm zeigen müssen, dass er geschlagen war. Vielleicht, übertriebene Aggressivität mit A – J annehmend, wäre ein Call noch möglich gewesen, um abzuwarten, wie ich am River reagieren würde. Doch, damit wäre er bereits so sehr commited gewesen, dass ihm das Weglegen seines Blattes am River noch schwerer gefallen wäre.

Hätte sich die gleiche Situation in Limit-Poker ereignet, so hätte sie unweigerlich zu einem Showdown geführt. Aber, mit beschränkten Einsätzen! Hier kostete es Jacques kalkuliertes Budget. $ 500 hatte er noch in der Brieftasche, mit denen er aber auch nicht lange überlebte. Bald waren wir nur noch sieben Spieler – und Jacques konnte sich, entspannt (?), des kostenlosen Buffets erfreuen!