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Brain - No Pain - Erkenntnisse eines (Omaha-) Anfängers
by mn
Da
ich ja nun schon ein "paar" Wochen Poker spiele und mich
in meiner Lieblingsdisziplin (NLHE) mittlerweile durchaus als guten
Spieler bezeichnen kann (ohne rot zu werden), konnte ich vor kurzem
einmal wieder ein Anfänger-Erlebnis verbuchen.
Neben
NLHE spiele ich ab und zu mal PotLimit Omaha (ich schreibe bewusst
nicht PLO, das klingt so seltsam, auch wenns vielleicht den einen
oder anderen Google-Treffer bringt). Wenn Omaha, dann Cash-Game
und die Standard-Variante. Um das ganze einmal in Turnierform zu
testen, habe ich mich aus Spass für ein Omaha Freeroll Turnier
angemeldet und am Tisch dann erschreckt festgestellt, dass es ein
High-Low Turnier ist. Diesbezüglich ist meine Erfahrung gleich
NULL. Nie gespielt, nie etwas drüber gelesen, nur mal gehört,
dass es das gibt. Aber egal, ist ja ein Freeroll, kost nix, also
"schau mer mal".
Die
3 ersten Hände halte ich mich vornehm zurück und seh mir
an, was die anderen machen. Gebracht hat das nicht wirklich was,
beim dritten Spiel waren alle, ausser mir, am River All-In und der
Tisch war geschlossen. Wer, aus welchen Gründen auch immer,
gewonnen hat, ist mir ob meines Erstaunens leider entgangen.
Neuer
Tisch, neue Strategie: Attacke !!!
6 Hände
lang raise ich was der Pot erlaubt und bekomme am Ende irgendwie
immer recht viel zurück (wissen die Götter warum) Es müssen
wohl ziemlich gute Karten gewesen sein. Mein Stack sagt das jedenfalls.
Jetzt
kommt eine 20-minütige Phase in der ich mein eben erworbenes
12%-Wissen komplett wieder einbüße. Ich verliere Spiele,
die ich meines Erachtens gewinnen hätte müssen und bei
den (gefühlten) Mistkarten wandern die Chips dafür in
meine Richtung. Neue Erkenntnis: ich weiss dass ich nichts weiss.
Um
mich herum hat sich mittlerweile ein Massensterben entwickelt, dem
ich amüsiert zusehe. Von ehemals 400 Teilnehmern sind noch
knapp 50 dabei (ist ja ein Freeroll). Ich liege auf Platz 10 der
Rangliste (20 werden bezahlt).
Neue
Strategie: Tight spielen, also nur noch jede 2. Hand :-)
Um
mein Theorie-Wissen wieder über die 10%-Hürde zu wuchten
frage ich im Chat nach, ob mir irgendjemand erklären kann wie
dieses Spiel funktioniert. Allgemeines Gelächter, einer meint
ich sollte doch hier nicht den Dummen geben, schließlich hätte
ich den Tisch ja im Griff. Das dadurch ausgelöste Gelächter
meinerseits lässt mich sogar das folgende Spiel "verschlafen"
und ich darf die "I´m back"-Taste drücken.
Neue
Strategie: den Profi rauskehren und die see-flop-percentage auf
unter 40 drücken (ab jetzt, denn rückwirkend ist das wohl
nicht mehr denkbar).
Jetzt
bekomme ich ein paar wirklich nette Karten (das habe sogar ich erkannt,
glaube ich wenigstens) und ich kann den Stack verdoppeln - Platz
6 von 39.
5 Hände
später bekomme ich die identischen Hole-Cards, nur scheint
diesmal auf dem Board etwas anderes zu liegen, denn meine 2 Gegner
teilen sich den Pot brüderlich und ich geh leer aus. Der erste
gröbere Verlust des Turnieres.
Aber
ich will ja nicht jammern, schließlich bin ich noch auf einen
ITM-Rang und es sind nur noch 30 Spieler anwesend.
Leider
ist das Massensterben etwas abgeflaut, vermutlich wurde ein Impfstoff
gegen All-In erfunden und großzügig unter den Verbleibenden
verteilt. Mich hat man dabei allerdings nicht bedacht, oder ich
bin gegen das Präparat immun. Jedenfalls geht es nun doch sehr
langsam und ich folde knappe 2 Runden lang, da einer (offensichtlich
ebenfalls immun) doch die wilde Sau spielt und jeden raise ansetzt
der sich ihm nur bietet. Er klaut sich damit nett was zusammen um
dann alles auf einmal zu verjucken. Offensichtlich keine Ahnung
von diesem Spiel (schon wieder was gemeinsam, neben der Immunität)
:-)
Neue
Strategie: jetzt geb ich die wilde Sau - Gus Hansen auf Speed.
Sichtlich
genervt nehmen meine Mitspieler zur Kenntnis, dass ich nun diese
Rolle übernommen habe und als noch 22 übrig sind platzt
einem wohl der Kragen und er reraised, um am Ende seine restlichen
Chips freundlicherweise mir zu überlassen - Juchuu
Neue
Strategie: Never change a winning system - alles bleibt wie es ist.
Noch
einer raus und ich bin reich. Und da bietet sich doch tatsächlich
einer an - dem kann geholfen werden. Leider denkt sich das auch
der am Tisch sitzende Chipleader und reraised mich. Da ich immer
noch keine Ahnung habe, ob meine Hole-Cards das vertragen, schlage
ich unbarmherzig zurück (ich spiele nicht meine Karten sondern
den Gegner, das machen Profis doch so, oder?), er aber auch, das
ist fast wie Ping-Pong. Mein ursprüngliches Opfer ist mittlerweile
All-In und es kommt zum Flop. Irgendwie sehe ich aus den Augenwinkeln
2 Asse blitzen, was zusammen mit meiner Ass nach Doyle Brunson und
David Sklansky einen Drilling ergibt und mich motiviert alle restlichen
Chips in die Mitte zu werfen. Mr. Chiplead tut es mir gleich und
deckt KKQQ auf. (ist das ne gute Starthand bei diesem Spiel?) Naja
egal, noch lieg ich vorne, was sich allerdings auf dem River ändert,
denn da kommt noch ein K und bringt ihm völlig unverdient (aus
meiner Sicht) sein FH.
Der
"Wackelkandidat", der bei diesem Spiel eigentlich als
21. ausscheiden sollte, holt sich den Low-Anteil und ich übernehme,
freundlich wie ich bin, die Rolle des Bubble-Boy. Schade eigentlich.
Aber
was solls, war ja ein Freeroll und hat insgesamt nicht einmal einne
Stunde gedauert. Und schließlich hab ich einiges gelernt:
1.
Ich spiel nie wieder PLOHL (klingt auch doof und bringt garantiert
keine Google-Treffer)
2. So fühlt sich ein Poker-Anfänger, der mir am Cashtisch
die Kohle aus dem Kreuz "rivert"
3. fällt mir jetzt grad nicht mehr ein, war dann wohl auch
nicht so wichtig.
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