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Poker
in Hamburg - Casino Esplanade
by
al
Am
Samstag, den 2. Dezember, öffnete das neue Casino Esplanade
in Hamburg seine Tore. Am Sonntag Abend, nach einer Nacht im Flugzeug,
war ich dort. Beginnend mit dem Vergleich zu nordamerikanischen
Kasinos, kann ich nur sagen: "Ich bin begeistert!" Kein
lästiges Rasseln der Spielautomaten, denn die befinden sich
zwei Stock unter dem eigentlichen Spielsaal; keine ohrenbetäubende
Musik; keine Fernseher an den Wänden; ordentlich gekleidete
Besucher - kurz gesagt, eine richtige traditionelle Spielbank, die
sich vom amerikanischen Trend deutlich distanziert.
An
zwei Tischen wird Poker gespielt. Hold'em No-Limit. Die niedrigen
Blinds von € 2/4 sind täuschend. Meist klettern die Pots auf
einige Hunderter und gelegentlich auf über 1.000. Dabei ist
besonders lobenswert, dass die Rake durchaus niedrig ist. Erst ab
einer Pothöhe von € 40 werden € 2 fürs Haus genommen.
Und niemals mehr!
Was
den Pokerspieler aber wesentlich mehr begeistern sollte, ist die
Spielweise der Gegner. Am deutlichsten erklärt sie sich durch
den Ausspruch eines sehr netten Herren, der am Sonntag links von
mir saß. Ein jüngerer Spieler, rechts von mir, bezahlte
jeden Einsatz, wenn er auch nur die leiseste Verbesserungschance
sah, nachträglich erklärend, dass er immerhin 4 Outs hatte
(von Odds sprach er nicht, denn die rechnete er auch niemals nach).
Dann folgte der Kommentar vom Spieler links: "Immer dieses
Getue mit Wahrscheinlichkeiten. Was soll das? Entweder die Karte
kommt oder sie kommt nicht!"
Klingt
das nicht herrlich? Er war zwar der einzige, der so sagte, doch
sicher nicht der einzige, der so dachte!
Wie
gesagt, die Blinds waren auf 2/4. Nach einer Stunde der Passivität,
entschloss ich mich mit
zu einem Raise auf 20, das Fünffache des Big Blind, UTG. Trotzdem
fanden sich nicht weniger als vier Caller! Der Flop kam völlig
unpassend und ich zog mich sofort wieder zurück.
Als
der Dealer-Button bei mir angelant war, kriegte ich
.
Übrigens, als Button verwendet man im Hamburger Kasino einen
Hockey-Puck. Auch das finde ich sehr originell.
Es
erfolgte kein Raise, doch brachten fast alle Spieler vor mir das
Blind. Da ich nun wusste, dass ich das Feld ohnehin nicht verkleinern
konnte, hinkte ich schlicht in den Pot. Nachdem wirklich fast jedes
Spiel in einem Showdown endete, wusste ich auch, dass der Flop passen
musste, bevor ich zuschlagen konnte.
Und
er gefiel mir auch:

Bis
zu mir wurde gecheckt und ich setzte € 30. Small Blind erhöhte
auf € 70 (der Mann, den Wahrscheinlichkeiten nicht interessierten).
Ein Gegner in mittlerer Position ging mit.
Nachdem
mir ziemlich klar war, dass ich durch ein Raise in Pothöhe
niemanden zum Passen bewegen konnte, entschied ich mich für
einen Call. Die kleine Gefahr einer Straße respektierend,
unterließ ich ein höheres Raise. Es folgte die .
Small
Blind brache 100. Der nächste ging mit. Ich hatte also zwei
Gegner und sah mich sowohl mit der Gefahr einer Straße als
auch eines Flush konfrontiert. Ein Raise zur Einholung von Information
wäre sinnlos gewesen. Mitgegangen wären beide auch auf
einen Draw. Ich entschied mich für Cold Call und sah, Sekunden
später, das perfekte Board:

Jetzt
checkte Small Blind ebenso wie der Andere. Im Pot lagen über
€ 500. Ich hatte noch € 350 vor mir liegen. Beide Gegner verfügten
über unwesentlich mehr. Das waren weniger als 70% vom Pot -
und so ging ich All-in.
Während
Small Blind passte (mit zwei niedrigen Karo, wie er mir später
sagte), nahm sich mein letzter Gegner ziemlich viel Zeit zum Überlegen.
Ich war mir ziemlich sicher, dass er über ein mittleres Karo
verfügte, vielleicht 10 oder J. Jedenfalls, entschied er sich
letztendlich doch für einen Call.
Und
niemals würde man erraten mit welchem Blatt! Vier Karo lagen
da im Board, zwei Siebenen, ein Ass. Und worauf investierte dieser
netteste unter allen Pokerspielern zuerst € 70, dann 100 und dann
nochmals 350?

Mit
solchen Gegnern genügt es, zwei Pots pro Abend zu gewinnen,
um gutes Geld zu verdienen. Da braucht man nicht einmal ein besonders
guter Spieler zu sein. Insbesondere der letzte Call war ein reines
Geschenk!
Am
Montag Abend, kurz nach Mitternacht, kam ein jüngerer Mann
an den Tisch und legte über € 3.000 in Chips vor sich hin.
Die Stacks anderer Spieler lagen bei 1.000, von manchen bei 200
bis 300.
Ein
Spieler setzte vor dem Flop knapp 300, All-in, und der junge Mann
ging mit. Mit welchem Blatt?

Aber,
wie es im Poker so läuft, das Board brachte ihm eine Queen
und er gewann den Pot, gegen ein Paar Achten.
Ich
wunderte mich nicht nur über die Spielweise, sondern auch über
seine Großzügigkeit beim Trinkgeldgeben. Durch einen
glücklichen River schlug er einen Flush mit einem Full House,
kassierte einen Pot von über € 1.000 und warf dem Dealer ein
€-50-Chip hin! Alle Achtung! Die Angestellten lieben solche Spieler.
Als
er etwas später fragte, ob Ass bis Fünf auch eine Straße
sei, war mir alles klar. Der Jüngling hatte beim Roulette gewonnen
(wo derart hohes Trinkgeld durchaus üblich ist) und versuchte
nun sein Glück am Pokertisch. Zwei Stunden später war
er pleite.
Am
Dienstag Abend waren die Pots, zumindest an dem Tisch, an dem ich,
kurz vor Mitternacht, einen Platz fand, wesentlich bescheidener.
Es gibt kein maximales Buy-in, sondern nur ein Minimum. Betrug dieses
am Vortag € 200, und die Meisten begannen mit 500 und mehr, so zogen
die Spieler an diesem neu eröffneten Tisch - der andere war
voll - bescheidene € 100 vor. Ich war der Einzige, der 200 einwechselte.
Ich
kann sagen, dass mich die niedrigeren Pots aus zwei Gründen
nicht störten. Erstens, ging es mir vorwiegend darum, die Zeit
bis in die Morgenstunden totzuschlagen, da ich gegen 06:00 zum Flughafen
musste und vorzog, nicht zu Bett zu gehen und, zweitens, erlitt
ich einige böse Bad Beats, die andernfalls ziemlich teuer gewesen
wären. (Was den Zeitvertreib bis in die Morgenstunden betrifft,
hätte ich diesen sicher auch auf der Reeperbahn gefunden, doch
dazu fehlte mir die Einwilligung meiner Frau :-))
Am
grausamsten war folgende Begegnung:
Mit
einem Preflop-Raise auf € 30 und zwei Callern, war es mir kurz davor
gelungen, bei einem Flop von
den Pot zu stehlen. Zwei Spiele später saß ich UTG und
kriegte
.
Um etwas Abwechslung ins Spiel zu bringen, setzte ich dieses Mal
nur € 20. Schließlich wollte ich mir Gegner sichern. Außerdem,
weiss man, wenn sich A - K nicht schon am Flop verbessert, wird
ein Weiterspiel schwer. Insbesondere gegen Calling-Stations.
Und
es folgte auch ein idealer Flop:

Die
Blinds checkten und ich setzte vorsichtig einen Zwanziger. Ein Spieler
ging mit und Small Blind, einer von vier Spielern am Tisch, die
sich, trotz mehrmaliger Rüge, ständig auf arabisch unterhielten,
erhöhte auf 40. Jetzt zeigte ich mich aggressiv und erhöhte
nochmals um 100. Einer passte und der Araber ging mit seinen verbleibenden
€ 70 mit. Was hatte er vorzuzeigen?

Was
folgte als nächste Karte? Eine 5! Worauf der Spieler neben
mir meinte, ob die deutsche Regierung nicht vielleicht doch recht
haben könnte, wenn sie Poker als Glücksspiel bezeichnet!
Ähnliches
passierte mir mehrere Male und ich war, trotz niedriger Pots, bereits
€ 500 im Minus. Allerdings, der Fall der Karten änderte sich.
Nicht jedoch das Spielverhalten der Gegner.
Noch
ein Beispiel: Am Big Blind kriegte ich
.
Vier oder fünf Caller, also kein Raise, und ich checkte. Es
folgte der Flop:

Nachdem
sich der Spieler rechts von mir verabschiedet hatte, saß nun
der bereits zitierte Araber am Small Blind und setzte € 10. Ich
erhöhte auf 30. Das schien aber niemanden abzuschrecken. Drei
Caller.
Der
Turn brachte .
Die einzige Chance, mich gegen glückliche Käufe - ein
Flush lag in der Luft - abzusichern, war ein All-in (etwa € 400).
Endlich überließ man mir den Pot unangefochten.
Zwar
gab es an diesem Abend nichts zu gewinnen, doch holte ich die anfänglichen
Verluste auf und wechselte an der Kassa exakt € 716, um 16 mehr
als ich am Tisch eingewechselt hatte. Immerhin, ich hatte die Zeit
bis zum Kofferpacken angenehm verbracht und meine Mineralwasser
hatte ich auch mit Chips bezahlt.
Ich
weiß nicht, wie es sich in der Zukunft entwickeln wird, doch
vorläufig kann ich jedem Pokerspieler nur raten, dem Hamburger
Kasino einen Besuch abzustatten. Ich selbst werde im in Zukunft
hoffentlich öfter dort sein. Jedenfalls bereite ich meine Frau
schon langsam auf mehrere Überseereisen vor.
Ob
in Hamburg oder anderswo, ich wünsche viel Erfolg am Pokertisch.
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