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Aus
dem Leben eines Pokerspielers
by
al
Jeder
Pokerprofi, den ich kenne, ist von der Entwicklung der letzten Jahre
absolut begeistert. Ich auch! Verschiedene Fernsehstationen widmen
dem Spiel so viel Sendezeit, dass Poker zum Modespiel geworden ist.
Lange ist die Zeit vorüber, als dieser Beruf noch Misstrauen
erweckte, Assoziationen mit zwielichtiger Gesellschaft, dunklen
Hinterzimmern, Illegalität, Unterwelt.
Im
Gegenteil! Erzählt man jemandem, dass man vom Pokerspiel lebt,
erweckt dies Interesse und Bewunderung. Fragen werden gestellt,
eigene Erlebnisse unterbreitet, Diskussionen werden gesucht, wie
man welches Blatt in welcher Situation spielt. Das Pokerspiel fasziniert
die Massen und so mancher träumt davon, selbst zum Profi
zu werden, dabei an die jüngsten Übertragungen der World
Series of Poker denkend, an Namen wie Jamie Gold und Joseph Hachem,
Doyle Brunson und Sam Farha, und an die vielen, vielen Millionen,
die in den großen Turnieren als Gewinne ausgeschüttet
werden.
Wer
den Ablauf des Hauptbewerbes der WSOP 2006 gesehen hat, weiss, dass
der Glücksfaktor in Turnieren mit großer Teilnehmerzahl
immer mehr zunimmt. Eine neue Generation von Spielern, der gewohnte
Druck von Online-Poker mit rasch ansteigenden Blinds, übertriebene
Risikobereitschaft, Zockerinstinkt, all das sind neue Faktoren,
die auf das Turnierspiel ihren Einfluss ausüben.
Was
tut man, wenn der Gegner in jedem Spiel All-in setzt? Zu einem bestimmten
Zeitpunkt, nimmt man das Risiko in Kauf. Man callt mit A-8 oder
mit 6-6. Der Druck dieses Gegners lässt keine Zeit, Vorteile
zu kalkulieren. Er sucht die 50%-Chance, lässt einem wenig
Wahl, zwingt jden dazu, sein Spiel zu akzeptieren. "Wirf die
Münze noch einmal, Kopf oder Zahl...!"
Jamie
Gold, Sieger des Hauptbewerbes der WSOP 2006 und Gewinner von 12
Millionen Dollar, lobte in einem Interview seine eigenen psychologischen
Fähigkeiten, meinte abwertend, dass seine Gegner ihre Karten
gespielt hätten, während er selbst den Gegner spielte.
Gab sich überzeugt, der beste Spieler unter mehr als 8.000
gewesen zu sein und schien dabei vollends zu ignorieren,
dass ihm einige All-ins gehalten haben, in denen er absoluter Außenseiter
gewesen ist!
Turnierpoker
bietet unumstrittene Reize! Das Flair des Wettbewerbs, ein Hauch
von Jet-Set, Publikum, Kameras, Ehre für den Sieger. Auch sind
Turniere für den guten Spieler profitträchtig. Insbesondere
Hold'em, Dank des enormen Zulaufs von Amateuren, die beträchtliche
Summen investieren, um sich mit Profis messen zu können, bringt
einen kalkulierten Rücklauf des Mehrfachen der Nenngebühr.
Doch dies rechnet sich über entsprechend lange, sehr lange,
Zeiträume.
Profis,
die in der gleichen Region leben, kennen einander natürlich.
Sie besuchen die selben Kartenklubs und Kasinos, treffen dort immer
wieder als Gegner aufeinander, tauschen Erfahrungen aus und formen
oft sogar Freundschaften. Die meisten, die ich persönlich kenne,
reisen selten, wenn überhaupt, zu den großen Turnieren.
Sie spielen an Cash-Tischen, wo sich ihre Überlegenheit Woche
für Woche in bare Münze umsetzt. Manche verdienen ein
Jahreseinkommen, das dem eines Vorstandsdirektors gleicht, andere
liegen gerade über dem Durchschnitt, manche kämpfen ums
Überleben und immer wieder passiert es, dass der eine
oder andere eine Pechsträhne nicht überlebt. Er geht pleite!
Vielleicht taucht er nach gewisser Zeit wieder in der Szene auf.
Vielleicht verschwindet er gänzlich von der Bildfläche.
Wer weiß, wohin das Schicksal ihn getrieben hat?
In
Montreal, wo ich lebe, ist das Veranstalten von Pokerspielen immer
noch illegal. Das staatseigene Kasino wartet auf eine Gesetzesänderung
(!!!). Einige private Spielrunden kümmern sich wenig um Vorschriften.
Es gibt Bars, die ein oder zwei Pokertische laufen lassen, im Hinterzimmer
oder im oberen Stockwerk. Leider ist keine der Lokalitäten
auch nur annähernd mit dem Mayflower in New York zu vergleichen.
Montreal ist eben eine gemütlichere Stadt. Gelegentlich werden
Hotelräume gemietet.
Im
Indianerreservat, Kahnawake, nicht mehr als 10 km vom Stadtzentrum
Montreals entfernt, gelten jedoch eigene Regeln. Auch Indianer lieben
Poker - und die zocken wie die Teufel!
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